Vulkane, tiefschwarzes Gestein, süffiger Wein und viele Wale – das ist Pico.
Pico, der Vulkan
Pico, die Insel und Pico, der Vulkan gehören zusammen. Mit 2.351 m ist er der höchste Berg der Azoren und Portugals. Schwefeldämpfe aus den Fumarolen am Gipfel lassen nicht vergessen, dass der Vulkan noch heute aktiv ist. Momentan schläft er, intensiv bewacht von Wissenschaftlern, denn in den letzten 500 Jahren ist er vier Mal ausgebrochen und hat die Insel fast vollständig mit Lava übergossen. Der letzte Ausbruch erfolgte 1718.
Ein spannendes Wanderabenteuer
Die Besteigung des Berges ist ein Erlebnis, erfordert eine gute Kondition, geeignete, regenfeste Kleidung, einen Bergführer oder ein GPS, das gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden kann. Um den Gipfel zu erreichen, sind schon eine ganze Menge Schritte von der mühseligeren Art nötig. Die Tour kann entweder sehr früh am Morgen beginnen oder am Nachmittag, dann aber mit einer Übernachtung im Zelt. Und wenn der Pico einmal nicht seinen berühmten Hut aus Wolken trägt, dann erlebt man den atemberaubendsten Sonnenaufgang überhaupt.
Im Pico Grande befindet sich der Pequinho, ein kleiner 50 m hoher Vulkankegel. Von seiner Spitze aus ist ein einmaliger Rundblick über die Insel, den Ozean und die vier anderen Inseln der zentralen Gruppe möglich.
Die Vulkan- und Weininsel
Rund um den Berg Pico gibt es Vulkanhöhlen, die tief in den Berg reichen. Auf der Insel befindet sich auch die längste Vulkanröhre der Azoren, die Grua das Torres bei Criacão Velha. Höhlen sind gefährlich und sollten nur mit einem Führer begangen werden.
Neben dem großen Pico gibt es noch über 100 kleine Vulkane und die Insel Pico trägt deshalb den Beinamen ‚Ilha Montanha’ oder ‚Ilha Negra’. Tiefschwarzes Vulkangestein bildet den Boden der Insel. Die pechschwarzen Steine sind das traditionelle Baumaterial auf Pico. Hier findet man ganze Dörfer mit den dunklen Natursteinhäusern und den farbigen Türen und Fensterrahmen. Überall liegen Basaltbrocken. Schwarze Legesteinmauern aus Lavagestein durchziehen die kleinen Felder, die zahlreichen Weiden und die berühmten Weingärten. Sie schützen vor Wind und speichern die Wärme.
Das Weinbaugebiet wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Hier bauen die Winzer seit Jahrhunderten in mühevoller Handarbeit (Maschinen sind auf den kleinen Rebflächen nicht einsetzbar) die Trauben für den berühmten Verdelho an, der bis an den russischen Zarenhof exportiert wurde. Ähnlich lecker sind auch die Schnäpse aus Feigen oder Pflaumen oder Brombeeren. In der Nähe von Madalena ist ein interessantes Weinbaumuseum in einem ehemaligen Karmeliterkloster untergebracht.
Bis 1983: Station für Walfänger
Pico, die Vulkan- und Weininsel, ist auch die Insel der Walfänger. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts legten amerikanische Walfänger an, ließen ihre Schiffe warten, nahmen Proviant und Wasser auf und heuerten Besatzungen an. Die Bewohner von Pico galten als besonders mutig. 1856 begann der azorische Walfang auf Flores, wenig später auch auf Pico. In 10 m langen Booten wagten sich die Männer aufs Meer und jagten die riesigen Meeressäuger mit Harpunen. Das war nicht ungefährlich. Viele Jäger verloren dabei ihr Leben. 1983 wurde der Walfang auf den Azoren eingestellt. Zwei Museen zeigen heute interessant und ausführlich die Geschichte des azorischen Walfangs: das Museo das Baleiros in Lajes und das Museu Industrial da Baleia in São Roque.
Heute: Traumziel für Walbeobachter
Wale gibt es noch heute. Über 20 verschiedene Walarten kann man in den Gewässern vor Pico beobachten. Nur selten finden Wale so günstige Bedingungen: bis zu 3.000 m tiefes, sauberes Wasser, genügend Nahrung – eine geeignete Kinderstube! Selten kommt man beim Walbeobachten so nahe an die Giganten heran.
Deshalb kommen Wissenschaftler, Fotografen und Touristen alljährlich zum aufregendsten und eindrucksvollsten Erlebnis eines Azorenaufenthaltes nach Pico.
| Fläche | 447 km² 15 km breit, 42 km lang, zweitgrößte Insel |
| Hauptstadt | Madalena |
| Bevölkerung | 14.800 |
| Zu erreichen | Flugzeug (Lissabon, São Miguel, Terceira) Fähre (Faial, São Jorge) |