Wie die einzelnen Inseln zu ihren Namen kamen

Luiz Fagundes Duarte, 1954 auf Terceira geboren, Professor der Universidade Nova de Lisboa, erzählt folgendes: So wie Kinder von Stein zu Stein hüpfen, um ans andere Ufer eines Baches zu gelangen, so springen die Götter von Insel zu Insel, um Meere und Ozeane zu überqueren. Einer der Götter stand am portugiesischen Strand des Atlantischen Ozeans, mit dem Rücken zu Europa, der neuen Welt zugewandt. Und er machte einen Riesensprung.

‚Santa Maria!’ rief er aus, als sein linker Fuß festen Halt fand. Götter reden so, sie nennen alles und alle beim Namen. ‚São Miguel!’ seufzte er erleichtert, als er Boden  unter dem rechten Fuß fühlte. Und er hielt für eine kurze Weile inne. Seine Füße ruhten  im grünen Gras, seine Augen erfrischten sich an dem weiten Blau des vor ihm liegenden Ozeans.

Und wieder sprang er. ‚Jesus Christus!', und so hieß die Insel lange Zeit, doch die Menschen nennen sie heute Terceira, weil sie als dritte Insel entdeckt wurde. Wie ein Balletttänzer tanzte er auf einem Bein von Insel zu Insel. ‚Graciosa!’ und ‚São Jorge!’ und ‚São Dinis!’, die Insel des Pico, und noch einen Tanzschritt nach Westen, ‘Faial!’.

Er legte eine kleine Pause ein, blickte nach Nordwesten, wo blau und weit der Ozean vor ihm lag, und machte schließlich zwei weitere große Schritte. ‚Flores!’ rief er und ‚Santa Iria!’ (heute Corvo).

Dort hielt er inne. Vor seinem endgültigen weiten Sprung in die neue Welt wollte er ein wenig ruhen. Er stieg hinab in die Caldeira do Corvo, und wie ein Kind rollte er sich zusammen und schlief ein. Dort schläft er noch heute. Hin und wieder decken ihn die Nebel zu. Aber die Menschen, die ihn dort sehen, stellen fest: Schlafende Götter sind wunderschön.