12., 13., 14. Jahrhundert
Arabische und italienische Seefahrer zeichnen Karten mit Inseln mitten im Atlantik.
15. Jahrhundert
Prinz Heinrich der Seefahrer fördert und fordert als Verwalter des Christusritterordens die portugiesischen Entdeckungsfahrten.
So werden zwischen 1427 und 1452 die neun Azoreninseln durch die Portugiesen entdeckt.
Flamen und Portugiesen, Adlige und Bauern machen sich auf, die Inseln zu besiedeln. Sie bringen Kühe und Pflanzen, roden die Inseln und bewirtschaften sie. Bald versorgen die Azoren das kleine Portugal und die neu entdeckten Kolonien sowie die anlandenden Karavellen mit den nötigen Nahrungsmitteln. Bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden fast alle Siedlungen entlang der Küsten gegründet und befestigte Häfen angelegt.
16. Jahrhundert
Die Azoren sind ein begehrtes Ziel der Piraten. Viele Schätze versinken nach blutigen Seeschlachten auf dem Meeresboden. Viele Ortschaften werden zerstört. Vulkanausbrüche und Erdbeben tun ihr Übriges.
Färbereien in Flandern verlangen Farbstoffe, die aus Pastell und der wild wachsenden Färberflechte Urzella gewonnen werden. Immer mehr Getreideanbauflächen werden für den Anbau von Pastell hergegeben. So kommt es Ende des 16. Jahrhunderts zur ersten Hungersnot.
Portugal unterwirft sich der spanischen Krone. Obwohl auf Terceira die Spanier durch weibliche List und die Kraft der Stiere eine empfindliche Niederlage erfahren haben, müssen sich 1583 auch die Azorer den Spaniern geschlagen geben.
17. Jahrhundert
Die spanische Herrschaft bedeutet für die Azoren eine wirtschaftliche Blütezeit, denn nun laufen fast alle Schiffe der iberischen Kolonialmächte die Inseln an. Als aber Mitte des 17. Jahrhunderts Portugal wieder von Spanien unabhängig wird, verlieren die Azoren an Bedeutung als Handelsposten im Atlantischen Ozean.
Mit der Einführung von Indigo aus Amerika lässt auch die Nachfrage nach Färberwaid und Färberflechte nach.
18. Jahrhundert
Von Beginn der Besiedlung bis ins 19. Jahrhundert herrscht auf den Azoren eine tiefe Kluft zwischen den privilegierten Schichten und dem Rest der Bevölkerung. Auch als der Marquês de Pombal die auf den Azoren herrschende feudale Lehensherrschaft abschafft und eine für alle Inseln zuständige, aber von Lissabon straff geführte, zentrale Regierung in Angra einsetzt, ändert sich nicht viel. Gegen den Willen der Bevölkerung erklärt er die Inseln zur Provinz und schließlich zur Kolonie Portugals.
Der Archipel beginnt sich zu einem wichtigen Walfangzentrum zu entwickeln. Amerikanische Walfangschiffe gehen vor den Azoren auf Jagd und heuern die mutigen Inselbewohner an.
19. Jahrhundert
Der Anbau von und der Handel mit Orangen, Tee und Tabak gewinnt an wirtschaftlicher Bedeutung und bringt Reichtum auf die Inseln.
In Lissabon kommt es 1826 zum Thronfolgestreit. Die Azorer unterstützen den liberalen Pedro IV. Das bringt ihnen den Sieg und Angra den heldenhaften Beinamen ‚do Heroismo’.
Die ersten Dampfschiffe pendeln zwischen Lissabon und den Azoren und sind der Anfang der Transatlantikfahrten mit den Azoren als wichtiger Kohlebunker und Zwischenstopp. Faial wird zum Knotenpunkt für Telefonkabel zwischen Amerika und Europa.
1860 sticht von Flores aus – später auch von Pico – das erste rein azorische Walfangboot in See. Gejagt werden hauptsächlich Pottwale. Der Walfang spielt nun bis 1983 eine wichtige Rolle.
20. Jahrhundert
Immer wieder bebt die Erde, spuckt Feuer und lässt Asche regnen.
Die Azoren bleiben ein wichtiger Brückenkopf zwischen der alten und der neuen Welt. Schiffe und Flugzeuge, Unterseekabel und Telefongespräche laufen über die Azoren. Amerikaner und Alliierte nutzen die günstige geostrategische Lage und bauen Flughäfen und Militärstützpunkte.
Bis die Azoren 1976 die innenpolitische und administrative Autonomie von Portugal erhalten (sie bleiben portugiesisches Staatsgebiet), spielen sie politisch eine sehr unbedeutende Rolle. Als 1986 Portugal der Europäischen Union beitritt, werden die Azoren der westlichste Außenposten der EU, und sie gewinnen mehr und mehr unsere Aufmerksamkeit und unser Interesse.