Verzauberte Unterwasserwelt


 

Tauchen

„Da unten aber ist’s fürchterlich,
und der Mensch versuche die Götter nicht
und begehre nimmer und nimmer zu schaun,
was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen, “
warnt Schillers Taucher. Undurchschaubares Wasser ist jedem phantasiebegabten Wesen ein Gräuel. Schiller kannte ganz sicher die Tauchgründe der Azoren nicht. Hier ist das Wasser kristallklar! Außerdem hatten Jaques Cousteau und Emile Gagnan die Pressluftflasche mit Regulator noch nicht erfunden.

Verzauberte Unterwasserwelt

Verzauberte Unterwasserwelt
Je entwickelter die Technik, je kalkulierbarer die Gefahren, desto verlockender das Tauchen. Und das gilt auch für die Gewässer vor den Azoren. Entlang der zerklüfteten Küste der vulkanischen Inseln und am küstennahen Meeresboden gibt es Tunnel, Höhlen, Grotten, Bögen – bizarre Formationen, die entstanden, als die glühend heiße Lava das kalte Meerwasser erreichte, blitzartig an der Oberfläche abkühlte, das Innere aber noch lange glutflüssig blieb. Nur Taucher können schwerelos über diese erstarrten, verzauberten Landschaften schweben, in verführerischen Schluchten versinken, unterseeische Lavahöhlen erforschen, in endlose vulkanische Becken tauchen. Sanfte Stille herrscht hier unten, bisweilen vom Blubbern der mitgebrachten Luft unterbrochen. Es gibt nichts zu hören, nur zu sehen und zu staunen. Bei Tauchgängen unter die Oberfläche des Atlantiks erblickt man unwirkliche Bilder einer wirklichen Welt.
Auf allen Inseln sind Tauchzentren zu finden, bei denen Ausflüge gebucht, Ausrüstungen gemietet, und Hilfe beim Planen von Tauchgängen angeboten werden. An diesen Tauchzentren kann man wählen zwischen Tauchprogramme, die von ersten streng kontrollierten aber entspannten Unterwasserausflügen bis zu maßgeschneiderten Tauchgängen zu verschiedenartigen und unterschiedlich schwierigen Tauchgründen reichen.
Die Monate Mai bis Oktober sind die besten Tauchzeiten auf den Azoren. Die Wassertemperaturen schwanken zwischen 17° und 24°C. In den Monaten August und September herrschen die höchsten Temperaturen. Bemerkenswert ist auch, dass die Sichtweiten im Wasser, die natürlich jahreszeitlichen Schwankungen und Wetterbedingungen an Land unterliegen, bis zu 30 m betragen.

Tauchen in Küstennähe

Tauchen in Küstennähe
Von Tauchzentren auf den jeweiligen Inseln kann man zu den inselnahen Tauchgründen gelangen. Diese Tauchgänge entlang der Küste werden oft ohne Begleitboot durchgeführt. Vor jeder Insel liegen Tauchplätze mit interessanten und zahlreichen Meeresbewohnern und faszinierenden Unterwasserlandschaften. Man muss nicht unbedingt in der Tiefe versinken. Es hat auch seinen Reiz zu schnorcheln, die zerklüftete Küste zu bewundern und die Artenvielfalt maritimen Lebens von oben zu bestaunen.

Die Princess Alice Bank

Tauchen an den Unterwasserbergen im Atlantik
Will man allerdings weiter draußen im Meer, in tiefere Wasser tauchen, kann das nur vom Boot aus geschehen. Nahe der Küste bilden vulkanische Hügel in nur 50 bis 100 Metern unter der Wasseroberfläche beeindruckende Unterwasserlandschaften. Hier sind pelagische Großfische, sogar der chilenische Manta und zahlreiche, eher übliche Fische zu beobachten.

Weit draußen im Meer tauchen aus ozeanischen Tiefen vulkanische Bergspitzen, die sogenannten Unterwasserberge bis in eine Höhe von 500 m und sogar bis nahezu an die Wasseroberfläche. An diesen Tauchregionen, wenn sie denn für Taucher zugänglich sind, wie etwas an der Princess Alice Bank, der Dom Jão de Castro Bank, den Formigas und der Dollabarat Bank nordöstlich von Santa Maria ist die Unterwassewelt besonders reichhaltig. Dort sind nahezu alle der in den azorischen Gewässern vorkommenden Fische, große Schwärme pelagischer Großfische, Atlantik Bonitos,  Bernsteinmakrelen,Gelbmaulbarrakudas und sogar einige Walarten anzutreffen.
Der Ausflug zur Princess Alice Bank dauert von den Häfen Horta oder Madalena etwa drei Stunden. Die Ausblicke auf die großartigen Küstenlandschaften der Inseln Faial und Pico und die hohe Wahrscheinlichkeit, verschiedene Meeresschildröten, Delfine und Wale zu entdecken, sind allein schon die Bootsfahrt wert. Und was den Tauchplatz betrifft, so ist er einer der besten, wenn nicht gar der beste Platz der Azoren. Diesen nahezu legendären Ruf verdankt er der praktisch garantierten Anwesenheit von Mantas, pelagischen Großfischschwärmen und der realistischen Chance auf Haie. Die Sicht ist fast immer jenseits der 30 – 40 Meter.
Kein geschützter Hafen liegt in der Nähe dieses von starken Meeresströmungen und großen Tiefen umgebenen Tauchplatzes, so dass er nur erfahrenen Tauchern vorbehalten ist. Und dennoch können auch weniger erfahrene Taucher an diesem Ort einmalige Taucherlebnisse haben, wenn sie auf der Meeresoberfläche schnorcheln, denn die unglaubliche Artenvielfalt ist auch von oben zu beobachten.
Die Dom João Castro Bank, 35 Seemeilen östlich von Terceira gelegen, wird von vielen als das interessanteste Tauchgebiet innerhalb des Azorern Archipels gewertet; nicht nur, weil pelagische Fischschwärme und hydrothermische Aktivitäten beobachtet werden können. Wale, Seevögel und Schildkröten begleiten die Taucher bereits während der Anfahrt durch die azorischen Gewässer. Starke Seeströmungen beeinträchtigen oft dieses Tauchgebiet, so dass auf Grund seiner Lage und großen Tiefe erfahrenen Tauchern geraten wird, hier nur bei schwacher Flut und bei exzellenten Seebedingungen zu tauchen. Auch hier erblickt man bereits beim Schnorcheln im kristallklaren Wasser zahllose märchenhafte Meeresbewohner wie Goldmarkelen oder Papageienfische.

Sicher Tauchen

Sicher Tauchen
Rafael Alberti (1902 – 1999) schrieb:
„Ich bin, du weißt es, Meer, dein Schüler,
und möge ich nie verleugnen, dass du mein Meister bist.“
Tauchen im Alleingang sollte tunlichst vermieden werden. Die Mächte des Wassers verlangen hohen Respekt. Wenn ein Taucher in Schwierigkeiten gerät, muss ein zweiter helfen. Ein ortskundiger Begleiter kann zudem zu den interessantesten Tauchgründen führen.
Gegenwärtig stehen drei Druckkammern innerhalb des Archipels zur Verfügung – eine in jeder Gruppe: auf São Miguel, Faial und Flores.

Maritime Vielfalt
Die Vielfalt des marinen Lebens vor den Azoren ist unbeschreiblich. Der Artenreichtum im Wasser übertrifft den der umgebenden Inseln bei weitem. Einer der Gründe ist das Fehlen von Schelfflächen. Die Küsten fallen steil, bis in eine Tiefe von 3.000 m ab. So können Fische, die normalerweise im offenen Meer zu Hause sind, in großer Nähe der Küste leben. Besonders im Sommer während der Paarungszeit und wenn die Jungen das Licht der Welt erblicken, kann man Schwärme von 100 Tieren und mehr finden.
Weiteren Dank schulden die Taucher dem Golfstrom. Viele Meerestiere nutzen die Kraft des Stroms und lassen sich mitnehmen aus den Tropen, über den Atlantik, zu den Azoren. Und da es sich in dem Wasser des Golfstromes gut leben und gut speisen lässt, ist der Azorenarchipel für viele Endstation.

Außergewöhnliche Tauchgänge

Außergewöhnliche Tauchgänge
Die meisten Taucher werden sich auf die großen Hochseefische konzentrieren. Direkte Tauchgänge zu Walen oder das Schnorcheln mit Walen sind nur mit Sondergenehmigung möglich. Was soll’s, fantastische Lebewesen wie Blaue Marline, Zackenbarsche, Meeresschildkröten und sogar die seltenen Mondfische kann man unter Wasser treffen. Tauchgänge bei Nacht, wenn leuchtendes Plankton und strahlende Seeanemone das dunkle Meer erhellen, sind besonders eindrucksvoll. Und wer sich noch mehr traut: Agência de Viagens Teles macht eine unterseeische Trauung möglich, mit Walen, Fischen und anderen Meerestieren als Trauzeugen.
Mehr Informationen geben entsprechende Veröffentlichungen, das Internet wie www.horta.uac.pt/scubaazores oder die Tauchzentren.


Wracktauchen

Seit der Entdeckung der Seewege nach Indien und Amerika diente der Hafen von Angra do Heroismo auf Terceira den Schiffen als wichtiger Zwischenstopp. So sicher, wie die Seeleute hofften, war der Hafen allerdings nicht. Oft genug versanken die Karavellen im Sturm oder bei Piratenangriffen, oder sie mussten ihre Anker zurück lassen, als sie so schnell wie möglich den Hafen verließen. Heute sind diese Überreste für Taucher im ‚Archäologischen Unterwasserpark’ zugänglich. Es kann zum Wrack des Dampfers Lidador und zum Ankerfriedhof (Cemitério das Ancoras), wo mehr als 40 Anker aus fünf Jahrhunderten liegen, getaucht werden. In der Bucht von Angra befinden sich mehrere archäologisch interessante Plätze, von denen einige bereits erforscht sind, andere noch auf ihre Entdeckung warten.Auch vor São Miguel, Graciosa, Flores und Santa Maria ist das Wracktauchen möglich.

Schutzzonen
Der Name Natura 2000 steht für ein europaweites Netzwerk besonderer Schutzgebiete von allgemeiner Bedeutung. Ziel dieses europäischen Schutzgebietssystems ist es, die verschiedenen Lebensräume, die für die jeweiligen europäischen Regionen charakteristisch sind, zu bewahren. Viele der azorischen Tauchplätze sind solche Schutzzonen, die es zu bewahren gilt.

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