Azoren

Tauchen

„Da unten aber ist’s fürchterlich,
und der Mensch versuche die Götter nicht
und begehre nimmer und nimmer zu schaun,
was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen, “
warnt Schillers Taucher. Undurchschaubares Wasser ist jedem phantasiebegabten Wesen ein Gräuel. Schiller kannte ganz sicher die Tauchgründe der Azoren nicht. Hier ist das Wasser kristallklar! Außerdem hatten Jaques Cousteau und Emile Gagnan die Pressluftflasche mit Regulator noch nicht erfunden.


Verzauberte Unterwasserwelt

Verzauberte Unterwasserwelt
Je entwickelter die Technik, je kalkulierbarer die Gefahren, desto verlockender das Tauchen. Und das gilt auch für die Gewässer vor den Azoren. Entlang der zerklüfteten Küste der vulkanischen Inseln und am küstennahen Meeresboden gibt es Tunnel, Höhlen, Grotten, Bögen – bizarre Formationen, die entstanden, als die glühend heiße Lava das kalte Meerwasser erreichte, blitzartig an der Oberfläche abkühlte, das Innere aber noch lange glutflüssig blieb. Nur ein Taucher kann schwerelos über diese erstarrten, verzauberten Landschaften schweben, in verführerischen Schluchten versinken, unterseeische Lavahöhlen erforschen, in endlose vulkanische Becken tauchen. Sanfte Stille herrscht hier unten, bisweilen vom Blubbern der mitgebrachten Luft unterbrochen. Es gibt nichts zu hören, nur zu sehen und zu staunen. Bei Tauchgängen unter die Oberfläche des Atlantiks erblickt man unwirkliche Bilder einer wirklichen Welt.


Tauchen in Küstennähe

Tauchen in Küstennähe
Von Tauchzentren auf den jeweiligen Inseln kann man zu den inselnahen Tauchgründen gelangen. Diese Tauchgänge entlang der Küste werden oft ohne Begleitboot durchgeführt. Vor jeder Insel liegen Tauchplätze mit interessanten und zahlreichen Meeresbewohnern und faszinierenden Unterwasserlandschaften. Man muss nicht unbedingt in der Tiefe versinken. Es hat auch seinen Reiz zu schnorcheln, die zerklüftete Küste zu bewundern und die Artenvielfalt maritimen Lebens von oben zu bestaunen.
Will man allerdings weiter draußen im Meer, in tiefere Wasser tauchen, kann das nur vom Boot aus geschehen. Einige Seemeilen vor den Azoreninseln liegen die faszinierenden Unterwasserberge, die aus ozeanischen Tiefen bis fast an die Meeresoberfläche ragen.


Die Princess Alice Bank

Die Princess Alice Bank
Dazu gehört die Princess Alice Bank, die von vielen Tauchern als der schönste Tauchplatz der Azoren beschrieben wird. Der Weg von Horta oder Pico dauert etwa 3 Stunden. Bereits während der Fahrt können Haie, Delfine, Wale, Schildkröten beobachtet werden und die beeindruckenden Küstenlinien von Pico und Faial. Kleine, schwarzweiße Vögel, Bulwersturmvögel, schwirren über der Princess Alice Bank, und Makrelen oder Teufelsrochen umkreisen das Boot.
Selbst beim Schnorcheln im kristallklaren Wasser erblickt man zahllose märchenhafte Meeresbewohner wie Goldmarkelen oder Papageienfische. Will man aber hinab, und das Meer ist etwas stürmisch, dann lässt man sich entlang eines Seiles 35 m nach unten. Da ist es beeindruckend, und trotzdem sollte man nicht zu lange am Meeresboden verweilen. Der Aufstieg ist noch gewaltiger: Schwärme von Teufelsrochen, Barrakudas, Makrelen, Arktische Bonitos, Mantarochen, Haie und mehr. Das sind unvergleichliche Tauchgänge!


Sicher Tauchen

Sicher Tauchen
Rafael Alberti (1902 – 1999) schrieb:
„Ich bin, du weißt es, Meer, dein Schüler,
und möge ich nie verleugnen, dass du mein Meister bist.“
Tauchen im Alleingang sollte tunlichst vermieden werden. Die Mächte des Wassers verlangen hohen Respekt. Wenn ein Taucher in Schwierigkeiten gerät, muss ein zweiter helfen. Ein ortskundiger Begleiter kann zudem zu den interessantesten Tauchgründen führen.


Maritime Vielfalt
Die Vielfalt des marinen Lebens vor den Azoren ist unbeschreiblich. Der Artenreichtum im Wasser übertrifft den der umgebenden Inseln bei weitem. Einer der Gründe ist das Fehlen von Schelfflächen. Die Küsten fallen steil, bis in eine Tiefe von 3.000 m ab. So können Fische, die normalerweise im offenen Meer zu Hause sind, in großer Nähe der Küste leben. Besonders im Sommer während der Paarungszeit und wenn die Jungen das Licht der Welt erblicken, kann man Schwärme von 100 Tieren und mehr finden.
Weiteren Dank schulden die Taucher dem Golfstrom. Viele Meerestiere nutzen die Kraft des Stroms und lassen sich mitnehmen aus den Tropen, über den Atlantik, zu den Azoren. Und da es sich in dem Wasser des Golfstromes gut leben und gut speisen lässt, ist der Azorenarchipel für viele Endstation.


Außergewöhnliche Tauchgänge

Außergewöhnliche Tauchgänge
Die meisten Taucher werden sich auf die großen Hochseefische konzentrieren. Direkte Tauchgänge zu Walen oder das Schnorcheln mit Walen sind nur mit Sondergenehmigung möglich. Was soll’s, fantastische Lebewesen wie Blaue Marline, Zackenbarsche, Meeresschildkröten und sogar die seltenen Mondfische kann man unter Wasser treffen. Tauchgänge bei Nacht, wenn leuchtendes Plankton und strahlende Seeanemone das dunkle Meer erhellen, sind besonders eindrucksvoll. Und wer sich noch mehr traut: Agência de Viagens Teles macht eine unterseeische Trauung möglich, mit Walen, Fischen und anderen Meerestieren als Trauzeugen.

Wracktauchen
Seit der Entdeckung der Seewege nach Indien und Amerika dient der Hafen von Angra do Heroismo auf Terceira den Schiffen als wichtiger Zwischenstopp. So sicher, wie die Seeleute hofften, war der Hafen allerdings nicht. Oft genug versanken die Karavellen im Sturm oder bei Piratenangriffen, oder sie mussten ihre Anker zurück lassen, als sie so schnell wie möglich den Hafen verließen. Heute sind diese Überreste für Taucher im ‚Archäologischen Unterwasserpark’ zugänglich. Es kann zum Wrack des Dampfers Lidador und zum Ankerfriedhof (Cemitério das Ancoras), wo mehr als 30 Anker aus fünf Jahrhunderten liegen, getaucht werden. Auch vor São Miguel, Graciosa, Flores und Santa Maria ist das Wracktauchen möglich.

Schutzzonen
Der Name Natura 2000 steht für ein europaweites Netzwerk besonderer Schutzgebiete von allgemeiner Bedeutung. Ziel dieses europäischen Schutzgebietssystems ist es, die verschiedenen Lebensräume, die für die jeweiligen europäischen Regionen charakteristisch sind, zu bewahren. Viele der azorischen Tauchplätze sind solche Schutzzonen, die es zu bewahren gilt.